Marktplatz oder eigener Shop? Warum Schweizer Händler beides anders bewerten sollten

Marktplätze liefern Reichweite, der eigene Shop liefert Kundenzugang und Gestaltungsspielraum. Die richtige Mischung hängt von Marge, Marke und Datenstrategie ab.

Marktplätze bleiben im Schweizer Onlinehandel stark. Für Händler stellt sich deshalb nicht nur die Frage «Marktplatz oder eigener Shop?», sondern welche Rolle jeder Kanal im Geschäftsmodell übernehmen soll.

Marktplätze kaufen Reichweite

Sie bieten vorhandene Nachfrage und Vertrauen, kosten dafür Gebühren, Preistransparenz und oft einen Teil der direkten Kundenbeziehung. Für neue Produkte kann das trotzdem ein schneller Markttest sein.

Der eigene Shop baut einen Vermögenswert

Im eigenen Shop lassen sich Marke, Sortiment, Daten und Customer Journey stärker kontrollieren. Dafür müssen Traffic und Vertrauen selbst aufgebaut werden.

Kanalökonomie separat rechnen

Ein Produkt kann im eigenen Shop profitabel und auf einem Marktplatz unattraktiv sein – oder umgekehrt. Gebühren, Retouren, Fulfillment und Werbekosten gehören kanalbezogen in die Kalkulation.

Den Kanalvergleich mit derselben Kalkulation durchführen

Vergleiche nicht Marktplatzprovision mit reinen Shop-Lizenzkosten. Beim eigenen Shop kommen Kundengewinnung, Zahlungsabwicklung, Technikpflege und Kundenservice hinzu. Auf einem Marktplatz können neben Provisionen weitere Aufwände für Werbung, Produktdaten, Logistik und Betreuung entstehen. Welche Positionen konkret gelten, hängt vom Anbieter und Modell ab.

Ein vereinfachter Vergleich pro Bestellung

Angenommen, ein Produkt erzielt CHF 80 Nettoerlös und hat CHF 35 Warenkosten. Im eigenen Shop fallen beispielhaft CHF 20 für Akquisition sowie CHF 8 für Abwicklung an: Es bleiben CHF 17 vor Fixkosten. Auf einem Marktplatz könnten CHF 18 kanalbezogene Kosten und CHF 8 Abwicklung zu CHF 19 führen. Das sind frei gewählte Rechenwerte, keine aktuellen Gebührenangaben.

Der Unterschied allein entscheidet noch nicht. Prüfe, wer Zugang zur Kundenbeziehung hat, wie gut die Marke erklärbar ist, welche Daten verfügbar sind und wie abhängig der Absatz von einer Plattform wird. Ein günstiger Kanal kann strategisch begrenzend sein.

Wann ist eine Kombination sinnvoll?

Wenn die Aufgaben der Kanäle klar sind. Ein Marktplatz kann ein standardisiertes Sortiment erschliessen, während der eigene Shop Beratung, spezielle Sets und wiederkehrende Kundenbeziehungen unterstützt. Voraussetzung sind abgestimmte Bestände, Produktdaten und eine nachvollziehbare Preislogik.

Starte mit einem begrenzten Sortiment und vergleiche Deckungsbeitrag, Arbeitsaufwand und Wiederkäufe. Die Strategie kleinerer Marken auf Marktplätzen vertieft die Positionierung; der Funnel-Leitfaden die eigene Kundengewinnung.

Fazit

Die beste Strategie ist häufig kein Entweder-oder, sondern eine bewusste Kanalarchitektur mit klarer Rolle pro Absatzweg.

Hintergrund / Quelle: Weiterführende Originalquelle. Dieser Text ist eine eigenständige Einordnung und keine Rechts- oder Steuerberatung.